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Der sonderbare, vegane Sektenmensch

Der Mensch kann alleine überleben und doch fühlt er sich ab und zu berufen “gesellschaftlichen” Verpflichtungen nachzugehen. Meist freiwillig oder auch nur um den Schein der Normalität zu wahren und dann und wann auch auf Firmenveranstaltungen, Begräbnissen oder auch Hochzeiten. Nur eines bleibt keinem veganen Menschen erspart, der sich in dieser Gesellschaft bewegt, das Tischgespräch. Wenn man sich auch noch so Mühe gibt und noch so versucht sein veganes Dasein nicht zum Thema zu machen, spätestens beim Servieren des Salates und der dazugehörigen Bitte den Salat doch ohne Essig, da oft nicht vegan, zu servieren steht man im Mittelpunkt. Selbst der Versuch die Verantwortlichen des Tiermassakers bei der Küchentür abzufangen und die Bitten dort, weit ab von der Tischrunde, zu deponieren funktionieren genau bis zu dem Zeitpunkt bis der Kellner mit Salat den Raum betritt und dezent in den Raum frägt: “Wo is da Veganer?”.

Nun, im Prinzip ist dies alles kein Problem und vegane Menschen sind es gewohnt mit ihrem Essverhalten zum Thema gemacht zu werden, wo eben mangels anderer Themen nichts zu sagen ist, dort wird der Veganer eben als Eisbrecher benutzt und es ist kein Grund sich dafür zu schämen. Doch selbst vegan lebende Menschen haben manchmal das Bedürfnis nicht im Mittelpunkt zu stehen. Meist bleibt alles harmlos und es beschränkt sich auf beschnuppern wie ein Bewohner eines noch nicht entdeckten Stammes. Doch hin und wieder sind doch Menschen dabei, oft nahestehende, oder solche die es glauben zu sein, die sich angegriffen fühlen und zum Rundumschlag gegen den Veganismus ausholen. Nicht wie man vielleicht glaubt, es handle sich dabei um Leute die man nicht ernst nehmen sollte oder um solche die auf Grund ihres Daseins für den tausendfachen Tod von Mitlebewesen verantwortlich sind, es aber nicht wissen und auch nicht weiter darüber nachdenken. Nein, es sind Menschen die oft intelligent, wortgewandt sind und die die Gabe haben die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Leicht aggressiv erzählen sie von ihren Mitleidserfahrungen auf der Autobahn oder gar im urbanen Gebiet als sie das Tierleid in der Form eines Tiertransporters hautnah miterleben mussten oder gar in die Augen der gequälten Mitlebewesen sahen. Nicht selten kommt danach der Zusatz, dass der Betroffene danach tagelang kein Fleisch mehr essen konnte oder seither nur noch Fleisch von dem ihm persönlich bekannten Bauern bezieht, die minder Betroffenen erzählen, dass sie fast kein Fleisch essen. Mit Fortdauer des Essens, wenn das Blut hauptsächlich dafür benötigt wird zu verdauen und daher in anderen Körperregionen fehlt gibt es auch diejenigen, die sich erdreisten, vegane Menschen in eine Art Glaubensgemeinschaft umzubenennen oder gar in ein sektenähnliches Licht rücken. Dies geschieht oft so überraschend oder gar aus dem Nichts, dass man tief Luft holend erst einmal nichts sagen kann und bis man dazu fähig ist, ist es einfach zu spät. Tagelange Gekränktheit abwechselnd mit Ärger und Wut kommen danach auf und man schwört sich nie mehr einem solchen “gesellschaftlichen” Ereignis beizuwohnen. Doch man kommt nicht aus, man will schließlich auch ein bisschen dazugehören und schließlich hat man als Mensch den kleinen, wenn auch nicht missionarisch ausgelebten, Auftrag durch sein Dasein ein Vorbild zu sein. Ein Vorbild für diejenigen die sich ernsthaft für ein Dasein interessieren, ohne Leid zu erzeugen und die meist still, lauschend in eben dieser Runde sitzen und dem Gespräch folgen und nachdenken. Nachdenken über Recht und Unrecht und selten aber doch kommen dann überraschende Rückmeldungen, Monate später. Man hat selbst das Gespräch schon vergessen und man wird angesprochen und es wird erzählt, dass auf Grund dieses Gespräches ein wenn nicht schon veganer dann doch zumindest fleischfreier Weg eingeschlagen wurde. Alleine das ist es wert sich manchmal ungerecht behandeln zu lassen.

Bericht

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Jochen Krieger View All →

Tierrechtler, Autor, Musiker

3 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Gerade zufällig entdeckt, ein schöner und recht ausgewogener Kommentar. Aber… das ominöse Tischgespräch, es läuft auch schon mal in die andere Richtung. Nämlich, dass extrovertierte Veganer/Vegetarier jedem anderen in der Runde das Essen versauen, indem sie zwei Stunden lang nichts anderes tun, als alles andere als dezent auf ihre vorbildliche Lebensweise hinzuweisen. Nun ja, man sollte einfach jedem Menschen zugestehen, seine Essgewohnheiten zu bewahren. Sei es ein Veganer, oder ein Fleischesser wie ich. Missionieren in jede Richtung ist überflüssig.

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    • Oh ja, diese Menschen nerven auch extrem! Und überhaupt ganz besonders schlimm sind diese Veganer die sich untereinander schlecht machen weil einer der beiden ja veganer(er) zu sein scheint als der andere oder so a Blödsinn… Warum man andere immer missionieren muss versteh ich nicht. Aber noch weniger verstehe ich, warum man die Salatbestellung anderer überhaupt kommentieren muss… Mir is doch a egal was die anderen essen.

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