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Graz: Jäger als Hundemörder verurteilt

4. April 2017 – zweiter Verhandlungstag im Prozess gegen den Jäger Helmut P.

Eine Geschichte über zwei getötete Hunde mit vielen Widersprüchen

Zuerst waren es zwei Jäger, die geschossen haben sollen, dann will es nur noch einer gewesen sein. An Kleintiere gewöhnte Familienhunde, die laut Angaben ihrer Menschen niemals gejagt haben, aber die ganze Zeit über beim Wildern gesehen worden sind – ausschließlich von Jägern, während alle anderen unabhängigen Zeugen ein verliebtes Hundepärchen beim Spielen und Herumtollen beobachtet haben. Einem einstimmigen Urteil wegen mutwilligen Tötens eines Wirbeltieres, §222 StGB, Tierquälerei, folgt ein Einspruch der Verteidigung. „Gott sei Dank waren es keine Menschen. Aber Hunde sind auch Lebewesen. Das muss man den Jägern auch einmal sagen.“, so die abschließenden Worte die Richterin.

Landesgericht für Strafsachen, Graz. Am 31. Jänner 2017 fand der erste Prozess gegen den Angeklagten Helmut P. statt. Damals gab es kein Urteil, weil weitere Zeugen einvernommen werden sollten. Die Verhandlung wurde auf den 4. April 2017 vertagt.

Hat ein Jäger geschossen oder waren es zwei?

Am 9. April 2016 sind in Gschmaier im Bezirk Weiz zwei Hunde erschossen worden – von zwei Jägern, wie es vorerst geheißen hat. Dann gibt einer der beiden, der spätere Angeklagte Helmut P. an, er alleine hätte die Hunde erschossen, beide Tiere mit einem einzigen Schuss, mit einem 1000-Gulden-Schuss, wie er sagt, so etwas komme nur ganz selten vor. Die Hunde wären beim Wildern gesehen worden, weshalb die beiden Jäger, Helmut P. und Christoph R., vom Obmann des Jagdvereins Gschmaier den Tötungsauftrag bekommen hätten.

Von Anfang an war also von zwei Jägern, die auf die Hunde geschossen hätten, die Rede. Im Amtsvermerk der LPD St. Margarethen/Raab steht, der Obmann des Jagdvereins Gschmaier hätte angegeben, zwei Mitglieder der Jägerschaft hätten im Bereich Obergschmaier die beiden Hunde erschossen.

Im Verlauf der zweiten Verhandlung sagten die drei mit den Zeugenbefragungen beauftragten Polizeibeamten aus, dass sie der Klärung des Sachverhalts, ob es sich nun um einen oder um zwei Jäger gehandelt hätte, nicht nachgegangen wären – aus keinem speziellen Grund.

Mehrere widersprüchliche Aussagen und andere Ungereimtheiten deuteten von Anfang an ganz klar darauf hin, dass Christoph R. bereits während die Hunde getötet wurden, dabei war, und nicht erst, wie von ihm selbst sowie vom Angeklagten behauptet, nach Abgabe des Schusses an den Tatort gekommen war.

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Jammie war einer der erschossenen Hunde

Haben die Hunde gewildert?

Alle, die bezeugten, die Hunde beim Wildern gesehen zu haben, waren selbst Jäger oder Bekannte von P., während unbeteiligte Zeugen die Hunde immer nur friedlich nebeneinander her trottend oder am Straßenrand sitzend gesehen haben.

Dort am Straßenrand seien sie – nach Angaben der Inhaberin des Reitstalls, in dessen unmittelbarer Nähe die Tat geschehen ist – mehrere Stunden lang friedlich gesessen, bevor der Angeklagte die Hunde, einen Hasen jagend, erschossen hat.

Zwei Hunde mit einem Schuss?

Entscheidend war die Aussage des ballistischen Gutachters, der ausschließt, dass ein Schuss, so wie ihn P. abgegeben haben will, technisch möglich sei. Nach den Angaben von P. wurden die beiden Hunde während des Jagens erschossen – während sich die Einschusslöcher beim kleineren Jamie auf der rechten Seite im Bereich des Brustkorbs und beim Schäfermix Senta auf der linken Seite im Bereich des 3. oder 4. Halswirbels befanden – also nicht auf derselben Seite! Auch die Höhe der Einschusskanäle könne aufgrund der Größenunterschiede der beiden Hunde so nicht stimmen, gibt der Sachverständige an.

Das Gerichtsurteil

Der Angeklagte hat also falsch ausgesagt. Die Hunde haben entweder nicht gejagt, weil sie nur dann nicht in dieselbe Richtung gelaufen wären – oder es müssen zwei Schüsse abgegeben worden sein.

Der zweite Schuss müsste dann mit höchster Wahrscheinlichkeit von Christoph R. stammen – gegen den nun tatsächlich ebenfalls Anklage erhoben werden wird!

Einspruch

Das Urteil, Schuldspruch in allen Punkten, wegen Sachbeschädigung und Tierquälerei, wird von der Verteidigung nicht angenommen. Die nächste Verhandlung wird im Oberlandesgericht Graz stattfinden.

Gericht Graz Gschmaier Steiermark Tierrechte

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Claudia Maria View All →

Ich war immer schon anders. Ich wollte immer freier sein und mutiger, war mir selbst aber nie gut genug. Schon als Kind war ich die wildeste und empfindsamste. Das Erwachsenwerden hat mich dann schockiert und leiser gemacht. Meine Fragen waren immer: Warum tun die Menschen all das der Natur, den Tieren, einander und sich selbst an? Wofür? Die Erklärungen waren für mich ebenso erbärmlich wie unglaubwürdig. Auf meinem Weg habe ich dann viele Antworten gefunden und die für mich Wichtigsten habe ich mir immer selbst erarbeitet. Vorgekautes und wissenschaftlich Belegtes hat für mich nie dieselbe Bedeutung wie das, was ich selber spüren kann. Vegan zu leben ist für mich die einzige ehrliche Möglichkeit im Bemühen um eine bessere Welt.

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