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ÜBERLEBENSFRAGE

Wie schafft man es nur, ohne Schaden zu nehmen, die ganzen schrecklichen Tierquälereien die im Netz kursieren aufzunehmen und zu verdauen? Ist das überhaupt möglich? Ein angezündetes Elefantenbaby, die Jagden bei uns, die Schrecklichkeiten in den Tierfabriken und in den Schlachthäusern. Man muss sich schon eine Strategie zurecht legen um nicht verrückt zu werden. Dass die Menschen schon immer grausam zu den Tieren waren ist ja nichts Neues. Nur heute sind sie so viele wie noch nie. Dazu kommt noch, dass diese oben genannten Perversitäten einem täglich im Internet oder auch von anderen Medien vorgesetzt werden.

Ich denke, ich habe tausende Stunden von Bildmaterial gesichtet. Darunter waren Grausamkeiten, die ich nicht einmal veröffentlichen konnte. Es waren einfach Bilder die niemandem zumutbar waren.

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Und manchmal hat man das Gefühl, dass man abstumpft. Wenn man wieder einmal eine Nacht damit verbringt Bildmaterial zu sichten und man denkt, man übersteht das unbeschadet. Aber dem ist nicht so. In wie vielen Träumen sich die gequälten und ermordeten Tiere, aber auch Menschen schon aufgetaucht sind? Ich kann sie nicht zählen. Man verändert sich ganz bestimmt dadurch, auch wenn man es sich nicht eingestehen will. Nicht der Stress mit Gerichten, oder mit irgendwelchen Tierquälern die einem auch noch verklagen, weil man das tut was zum tun ist, nämlich aufdecken, machen einem das Leben schwer, nein es sind die Millionen Gequälten die einem nicht loslassen.

Vielleicht gibt es Momente, in denen man denkt, man wäre so gerne wie 98 Prozent der Menschen. Man lebt sein Leben, bucht den nächsten Urlaub, stresst sich mit Dingen ab über die man bei genauerer Betrachtung nur den Kopf schütteln kann und wenn der Weihnachtsstress vorbei und man wieder ein Jahr älter geworden ist, dann weiß man dass man erfolgreich war. Zufrieden sind die meisten trotzdem nie.

Oder will man mit Leuten tauschen, die sich als Tierschützer sehen, wenn sie Hunde und Katzen all ihre Liebe geben? Gleichzeitig aber diese mit den schlimmsten Tierquäler-Produkten füttern und Schweineohren aus China als Belohnung für Tierheimhunde verteilen. Auch finden diese Menschen nichts dabei, wenn sie so nebenbei ihr „Wurstsemmerl“ essen und vielleicht auch noch einen Pelzkragen tragen.

Will man jetzt so sein, oder gibt es noch etwas zwischen diesen Möglichkeiten? Ich meine, man könnte ja auch ganz „normal“ vegan leben. Das tun doch die meisten. Spätestens dann, wenn sie ihr Studium fertig haben und sie dann wieder ordentlich und brav sind. Nichts bleibt dann übrig vom Protest. Das sehe ich immer wieder. 2 Jahre Vollgas für die Tierrechte und dann werden sie langsam leise und verschwinden in ihren Jobs und in ihrem Leben. Übrig bleiben nur ihre Erinnerungen und ihre Erzählungen. Sie waren Abenteurer und Revolutionäre auf Zeit. Schade irgendwie, aber auch verständlich. Zurück bleiben ein Hand voll Leute. Eine in der Zahl stagnierende Gruppe. Zumindest in Österreich habe ich das Gefühl, dass es in den letzten Jahren eher weniger geworden sind, die sich für das Thema Tierrechte einsetzen.

Aber die Verzweifelten unter ihnen sind in den Kurzzeit-Aktiven und ebenso in den Langzeit-Aktiven anzutreffen. Kein Wunder, denn man hat ja stets das Gefühl, dass sich nichts ändert. Wann kann man sich schon über einen Erfolg freuen? Freut man sich über einen Freispruch, weil ein Schweinebauer geklagt hat? Nein. Eine Freude wäre es, wenn sich bei den Menschen endlich etwas in den Köpfen tun würde. Eine kurze Freude sind die Zusprüche im persönlichen Gespräch oder übers Internet. Die sind zweifellos sehr wichtig.

Ab und zu schaue ich mir deswegen auf Youtube Videos von Tierrechts-Demos aus Israel an. Dort wo 15.000 auf die Straße gehen. Das gibt dann Mut. Wenn ich in Wien auf einer Demo bin, dann freut man sich über 300 und das ist schon sehr, sehr großzügig geschätzt. In Graz sind es 20 – 30 Leute und das bei knapp 53 000 Studierenden. Schon ernüchternd, wenn man gleichzeitig sieht, wie viele Menschen ihre Zeit mit shoppen, fernsehen, Party feiern oder Facebook vergeuden. Aber keine zwei Stunden um sich für etwas einzusetzen, dass sie direkt und indirekt verursachen. Kein Wunder, dass es keinen einzigen ernstzunehmenden Menschen in der Politik gibt der sich für Tierrechte einsetzt. Wenn, dann sind es Pseudo-Tierschutz-Leute, die kurz versuchen auf ein Thema aufzuspringen, weil sie sich davon Stimmen erhoffen oder ein Mandat im Nationalrat. Leute die dann noch schneller verschwinden als sie aufgetaucht sind.

Ich weiß für mich, dass mich der Sport aufrecht hält. Ohne dem würde ich wohl an dieser aussichtslosen Situation für die Tiere zu Grunde gehen. Selbst dort aber habe ich mich schon dabei ertappt, dass ich nach einem erfolgreichen Training, am Weg nach Hause, so etwas wie kurzzeitiges Glück einstellte um im nächsten Moment zu denken, was das soll? Denn genau in diesen kurzen Sekunden des Glücks werden tausende Tiere in Nerzfarmen, in unseren Schweineställen und Schlachthöfen gequält und getötet. Aber ich kann dazu nur sagen und schreiben, gönnt Euch diese Glücksmomente, denn unglückliche und kranke Aktive helfen den Tieren und der Welt nicht weiter. Versucht Strategien zu entwickeln, damit ihr fit und damit Euer seelisches Wohlbefinden im Einklang bleibt.

Bericht Tierrechte vegan

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Jochen Krieger View All →

Tierrechtler, Autor, Musiker

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