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HERBERT OSTER – EIN NACHRUF

Eine wahre Tierschutzlegende ist nicht mehr. Wenn jemand das Wort Legende verdient hat, dann wohl Herbert Oster.

Der Gründer des Aktiven Tierschutz Steiermark und der Arche Noah. Bei allen Schwierigkeiten und bei allem Gegenwind hat er die Steiermark zu einem Tierschutz-Vorzeigeland gemacht.

Wenn man bei ihm im Büro saß, und im Minutentakt das Telefon läutete, dann hob er persönlich ab und die Dinge wurden nicht in fünf Minuten oder einer Stunde erledigt, sondern sofort. Sofort wurde der Staatsanwalt angerufen, der vermeintliche Tierquäler, der hilflose Mensch der seine Tiere verwahrlosen ließ, die Polizei oder seine Mitarbeiter, die sich sofort auf den Weg machen mussten um zu helfen. Jeder wusste, wenn Oster etwas sagte, dann hatte dies auch sofort zum Geschehen. Da konnte er ziemlich ungemütlich werden.

Besuch Bosnien 005
Besuch aus Bosnien – im ehemaligen Lokal Arche

Mir sind zwei Ereignisse mit ihm besonders in Erinnerung. Zum Einen, als in der bosnischen Stadt Tuzla in einem Hundeasyl eine Seuche ausbrach und hunderte Tiere starben und zum Anderen als er eines späten Abend bei mir zu Hause vor der Türe stand und mir sagte, ich müsse sofort mitkommen. Die Befreiung eines Hundes stand am Programm. Herbert Oster war damals 82.

„Ich brauche Leute mit Eiern, Leute ohne Eier brauche ich im Tierschutz nicht!“, Herbert Oster der dies sicherlich nicht geschlechtsspezifisch meinte.

Als vor mittlerweile vielen Jahren ein Hilferuf aus Bosnien die Grazer Arche Noah ereilte zögerte Herbert Oster nicht lange. Medikamente und andere Hilfsgüter wurden nach Bosnien gesendet. Allerdings nur bis zur Grenze. Die Grenzbeamten ließen seine Leute nicht einreisen und sie mussten nach Österreich heimkehren. Er rief mich an: „Jochen, du musst nach Bosnien fahren! Sofort!“

Mittlerweile hatte er schon von einem bosnischen Botschafter ein Schreiben, mit dem ich ohne Probleme und Kontrollen in Bosnien einreisen konnte. An der Grenze erwarteten mich Soldaten die mich direkt zum Asyl brachten. Damals wurde ich sogar ins Rathaus der Stadt eingeladen und der Bürgermeister und sein Vize empfingen mich. Im Namen der Arche Noah sprach ich eine Einladung für eine bosnische Delegation nach Graz aus, damit sie sich in der Steiermark Ideen holen konnten, wie man das Streunerproblem in der Stadt ohne Gewalt lösen hätte können. Leider verlief sich das Projekt nach dem Besuch wieder.

Das zweite prägende Erlebnis mit ihm war, als er mich unangemeldet, am späten Abend von zu Hause abholte um einen armen Hund zu befreien. Bei der Fahrt sagte er: „Bis 87 muss ich weitermachen, es gibt keinen, der das sonst kann!“. Herbert Oster musste mit 86 aufhören. Aber seine Worte erwiesen sich mehr als wahr.

Letztes Jahr besuchte ich ihn einen Tag vor seiner Operation im Büro, es war unser letztes Treffen, er sollte sich von diesem Eingriff nicht mehr erholen.

Ein Spruch von ihm wird mir wohl ewig in Erinnerung bleiben: „Ich brauche Leute mit Eiern, Leute ohne Eier kann man im Tierschutz nicht brauchen!“ Wie wahr dieser Spruch ist, der steirische Tierschutz und im besonderen sein Lebenswerk sind ohne ihm um mindestens zwanzig Jahre zurückgeworfen worden.

Es gab viele Leute die sehr schlecht über ihn redeten. Als ich ihn einmal damit konfrontierte lachte er nur. Er beschäftigte sich nicht damit. Er war fokussiert darauf den Tieren zu helfen. Alles andere interessierte ihn nicht.

Ich hatte manchmal den Eindruck, dass ich mich über solche Leute mehr ärgerte als er. Ein besonderer Heuchler sagte mir ins Gesicht, als ich meinte dass Fleischkonsum in einem Tierschutzhaus (es war in der Arche Noah, als Oster nicht mehr Obmann war) nichts verloren hätte: „Wir propagieren den mäßigen Fleischkonsum und Oster hat heimlich Fleisch gegessen!“. Was soll man dazu noch sagen? Lügen verbreiten über einen Mensch der sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wehren konnte.

Eine weitere unglaubliche Leistung des Herbert Oster war es, dass er die Tiere der vielen mittellosen Menschen von seinem Ärzteteam behandeln ließ, auch wenn er wusste, dass er von denen niemals Geld sehen würde. Tausenden Tiere wurde so geholfen und das Leben gerettet. Leider wurde das sofort nach Osters Abgang abgeschafft. Was aus den Tieren heute wird? Ich weiß es nicht und bei den wenigen Fällen von Tierquälereien, von denen ich erfuhr, konnten wir von Menscherei vor Gericht einige Erfolge feiern. Aber was geschah mit den hunderten  wenn nicht tausenden Tieren, von denen wir nicht erfahren haben?

Oster sah aber auch über den Tellerrand des klassischen Tierschutzes hinaus. Viele Jahre gab es bei feierlichen Anlässen vegetarisch/vegane Buffets im Haus. Auch das gibt es heute leider nicht mehr.

Bis kurz vor seiner Operation sah man ihn auch noch quer durch die Steiermark fahrend Streunerkatzen versorgen.

Lieber Herbert, mach’s gut! Wir werden weiterkämpfen, ohne Kompromiss! Ein Versprechen!

Österreich Graz Steiermark

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Jochen Krieger View All →

Tierrechtler, Autor, Musiker

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